Interview mit
Samuel "Muli" Katzurin


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Frankfurt hat einen neuen Coach! Stand Muli letzte Saison noch für ALBA BERLIN an der Seitenlinie, trainiert er seit diesem Sommer unsere Skyliners. Beim Maritim Cup in Bonn eine Woche vor Saisonstart, bei dem die Skyliners den 3. Platz belegten, nahm der sympathische Israeli sich viel Zeit für meine Fragen und antwortete ausführlich. Wie alle Menschen, die mit ihm kommunizieren, sollte auch ich ihn gleich "Muli" nennen.

In der Printausgabe des Tip-Off Nr. 1 - Saison 2011/2012 war leider zu wenig Platz, um alle Antworten abzudrucken - hier nun das vollständige Interview:

Muli Katzurin

(Foto: Dennys Sidjabat)

Muli, ist das die Abkürzung von Samuel?


Nein, Muli bedeutet einfach Muli. Alle nennen mich so, schon seit meiner Kindheit, auch meine Eltern.



Weißt du denn, dass Muli auf Deutsch Maultier bedeutet?


Ja, stimmt, das habe ich gehört.

Besitzt du denn Eigenschaften dieser Tiere, arbeitest vielleicht wie ein Pferd und bist störrisch wie ein Esel?

Ja, das kann gut sein (lacht), aber damit hat mein Name eigentlich nichts zu tun.

Hast du je selbst Basketball in einer höheren Liga gespielt?

Ja, natürlich, in Israel spielte ich in der ersten Liga, aber ich war ein Bankspieler und habe eigentlich die ganze Zeit nur gesessen.

Du bist mit Mitte 20 schon Trainer geworden, das ist sehr früh. Wurdest du akzeptiert?

Nun, ich habe begonnen, weil ich das Spiel so sehr liebe. Heute weiß ich, dass ich schon früh verstanden habe, ich werde nie ein herausragender Spieler sein. Ich war nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders gut. Also habe ich früh beschlossen, damit aufzuhören. Ich habe in einer unteren Liga zwar weiter gespielt, weil ich ja noch sehr jung war, aber zur gleichen Zeit habe ich meinen ersten Trainerjob angenommen. Einige Jahre später habe ich dann das Spielen ganz aufgegeben und mich ausschließlich auf meine Arbeit als Trainer konzentriert.

Hast du Spieler trainiert, die zu dieser Zeit älter waren als du? War das ein Problem?

Ja, aber zunächst habe ich sehr junge Spieler trainiert. Später gab es schon einige Spieler, die älter waren als ich, aber ein Problem gab es damit nie. Spieler sind Spieler, ich war der Coach, das waren die Rollen. Alles war klar, es ging immer um das Spiel und um professionelle Dinge, und nicht um persönliche.

Sicher bist du der jüngste Coach der Liga gewesen, oder?

Oh ja, das war ich tatsächlich.

Gab es eine Zeit, in der du nicht als Trainer gearbeitet hast?

Ja, ich habe eine Saison lang für einen Fernsehsender in Israel gearbeitet. Dort habe ich viele Spiele kommentiert. Ich wollte meinen Kopf mal frei kriegen und die andere Seite der Medaille erfahren.

Du hast sowohl Nationalmannschaften trainiert, davon sieben Jahre lang die Israelische und auch die Polnische Mannschaft, und auch viele Jahre Ligavereine gecoacht. Wo liegt der Unterschied?

Oh das ist ein großer Unterschied! Als Trainer einer Nationalmannschaft trainierst du die Spieler nur eine sehr kurze Zeit lang und musst in circa zwei Monaten ein richtiges System einbringen und Erfolge erzielen. Als Ligacoach hast du zehn Monate dafür Zeit. Du hast jede Woche ein Spiel, manchmal sogar zwei. Und jeden Tag Training. Da ist alles viel aufregender. Trainer einer Nationalmannschaft bedeutet, viel Respekt zu bekommen, aber auch viel Verantwortung zu tragen, das gibt einem Selbstbewusstsein. Aber am Ende des Tages bedeutet es weniger Arbeit als bei einer Ligamannschaft.

Welcher Job gefällt dir besser?

Nun, das ist schwierig zu sagen. Ich habe in Israel alle großen Vereine trainiert. Mein Ziel war es, einmal die Nationalmannschaft zu trainieren, denn ich wollte etwas tun, das ich noch nie zuvor getan hatte. Nun habe ich auch diese Erfahrung gesammelt und damit ist es genug, ich schaue nicht mehr nach einem solchen Job. Wie gesagt, ein Ligacoach hat mehr Arbeit, und ich bin ein Arbeitstier.

Du hast in deinem Leben schon so viel erreicht - Meister, Pokalsieger, Doubles, gute Erfolge bei Europameisterschaften - gibt es noch ein Ziel?

Natürlich. Was mich antreibt, ist die Challenge. Das ist der Grund, warum ich nach Frankfurt gekommen bin. Hier hat sich gerade viel verändert, es beginnt eine neue Zeit. Das Team ist neu, der Star Wood ist gegangen. Diese Herausforderung, ein Team zusammenzustellen und weiterzuentwickeln und zum Erfolg zu bringen, einfach meinen persönlichen Einfluss darauf zeigen zu können, das reizt mich.

Bevor du in der letzten Saison nach Berlin gekommen bist, hast du in Israel gearbeitet. Warum warst du dort nicht glücklich?

Ich hatte zuvor vier Jahre in Tschechien gearbeitet und kam nach Israel, um dort den Sommer zu verbringen. Schon das ganze Jahr über hatte mich der israelische Verband mehrfach angerufen und gebeten, für sie zu arbeiten. Sie hatten viele Probleme und suchten jemanden, der neue Dinge entwickelt, aber ich hatte immer abgelehnt, denn ich war sehr zufrieden in meinem Club. Aber sie haben nicht locker gelassen und wollten, dass ich meine Meinung ändere. Der Präsident hat mich dann im Sommer angerufen und ein Treffen mit mir verabredet, und dann begann eine Art Spiel. Ich denke, er hat mich in einem Moment der Schwäche gekriegt. Er hat mir so viele Dinge angeboten, neue tolle Büros und die Möglichkeit, alle Stellen nach meinem Willen zu besetzen. Ich sagte zu.

Gab es keine Chance mehr, zu entrinnen?

Nein, denn wenn ich einmal etwas zugesagt habe, dann bleibt es dabei. Ich brauche dafür keinen schriftlichen Vertrag, mein Wort gilt, das zählt mehr als Papier. Aber sie wollten mich für eine lange Zeit, mindestens fünf Jahre, das habe ich unterschrieben. Aber ich habe mir offen gehalten, wieder zu gehen, wenn alles, was mir versprochen wurde, nicht erfüllt ist. Als ich begann dort zu arbeiten, habe ich herausgefunden, dass es ein sehr starres System ist, in dem viele Leute sich schon ewig befinden, keine Chance also für neue Ideen. Ich begann, mit den Menschen zu kämpfen, und das war etwas, das ich nicht tun wollte. Ich habe mich dabei überhaupt nicht wohl gefühlt und den Job dann auch wieder abgegeben.

Du warst unter anderem für die Jugendarbeit zuständig. Wie siehst du diese in Deutschland, speziell das Schulprogramm der Skyliners?

Also, die Jugendarbeit ist sehr wichtig, das ist unsere Zukunft! Aber ich bin noch nicht lange genug hier, und all die Programme wirklich bewerten zu können. Ich sehe deren Training nicht, weiß also nicht was sie genau tun. Als ich im Office der Skyliners war, habe ich ihnen gleich erklärt und alle versucht davon zu überzeugen, dass es bei der Arbeit mit dem Nachwuchs nicht darauf ankommt, dass man die ganze Zeit gewinnt. Es ist vielmehr wichtig, die Grundsteine für das Spiel zu legen. Natürlich ist es schön, zu gewinnen, aber das ist nicht das Ziel und spielt eigentlich keine Rolle.

In Israel war es deren Ziel, immer zu gewinnen. Ich denke, das ist ein großer Fehler. Denn solange die Spieler jung sind, lehrst du sie zu werfen, zu passen und solche grundsätzlichen Dinge, denn wenn sie ein gewissen Alter erreicht haben, dann kannst du sie nicht mehr ändern und formen. Dann sind sie menschlich zwar immer noch jung, vielleicht 20, aber nicht jung für Basketball. Im Alter von 12 bis 15 Jahren muss man die Grundsteine legen, Fehler korrigieren, Geduld vermitteln - das ist eine ganz spezielle Arbeit, mit Jungs UND mit Mädchen natürlich. Ich hoffe, dass man das in Deutschland so umsetzt, wie es meine Philosophie ist. Das werde ich mir anschauen.