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Interview mit Marius Nolte


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Marius Nolte beim Tip-Off Interview  (Foto: Steffi Stoch)

Vor dem Finalspiel gegen den Gastgeber Hagen im Vorbereitungs-Turnier „Phoenix Cup“ nahm sich unsere neue #14, Marius Nolte, Zeit für unsere Fragen. Ausgeruht und gesättigt gab er umfangreiche Antworten.

In der Printausgabe des Tip-Off (
Ausgabe 1 - Saison 2009/2010) war leider zu wenig Platz, um alle Antworten abzudrucken - hier nun das vollständige Interview:

 

Bist du im Sommer gut in Frankfurt angekommen?

 

Ja, ich war erst drei Wochen im Urlaub in Amerika und hatte dann in Frankfurt gleich die Möglichkeit, meine neue Wohnung zu beziehen. Ich habe das erste Wochenende im Nordwestzentrum verbracht und das war ohne den Stress von Training oder Spielen oder sonst was... das war eine schöne Zeit, um sich einzugewöhnen, die Wohnung schon ein bisschen herzurichten. Ich fühle mich hier sehr wohl.

 

Wie gefällt Dir die Stadt Frankfurt? Hast Du schon Plätze entdeckt, die Dir gut gefallen?

 

Ein bisschen. Ich war in Sachsenhausen, da am Mainufer. Das finde ich sehr schön. Es war leider sehr heiß an dem Tag, als wir da waren. Das würde ich mir abends auch ganz gerne noch mal sehen. Da gibt’s ja auch schöne Restaurants und Bars, wie man das so gesehen hat. Und dann finde ich diesen Bereich direkt in der Innenstadt an der Hauptwache, wo die Kinos sind und wo die Einkaufsstraße ist, ziemlich imposant.

 

Gibt es etwas aus der ostwestfälischen Ecke, was Du hier in Hessen vermisst?

 

Schwer zu sagen. Viele von meinen Freunden sind natürlich in Paderborn, das ist sicher etwas, was ich vermisse. Aber was typisches Ostwestfälisches wüsste ich jetzt nicht, was ich hier in Frankfurt nicht bekommen kann. Man kriegt ja mittlerweile überall alles.

Was ich vermissen werde ist, dass ich sonst ziemlich regelmäßig bei meinen Eltern zum Essen war. Mein Vater ist ein toller Koch, er macht super Schnitzel. Ich habe hier noch keinen Platz gefunden, wo es so gute panierte Schnitzel gibt wie bei meinem Vater. Ich freue mich schon drauf, wenn ich dann irgendwann mal die Zeit habe, wieder in Paderborn zu sein.

 

Kommen Deine Eltern heute wieder zum Spiel?

 

Ja, aber mein Vater bringt - glaube ich - keine Schnitzel mit (lacht).

 

Du musst kein Deutsch lernen... aber wie wäre es mit ein bisschen hessisch?

 

Hessisch. Ich habe das noch gar nicht so richtig wahrgenommen, dass die Leute in Frankfurt und Umgebung jetzt extrem anders sprechen. Die meisten Leute, mit denen ich zu tun habe, reden doch relativ hochdeutsch. Vielleicht die Leute auf´m Markt ein bisschen, aber das hör ich doch immer nur so mit einem Ohr. Ich habe noch niemanden getroffen, bei dem ich hätte nachfragen müssen. Und es ist ja auch nicht der schlechteste Akzent/Dialekt.

 

Ein Bembel - weißt Du, was das ist?

 

Ich glaub, das ist so ein Napf, so ein Topf... Wie so ein Kännchen... eine Kanne... Krug, genau! Das sieht/hört man jetzt auf dem Diktiergerät nicht, aber ich habe die richtige Handbewegung gemacht.

Ihr seid die Skybembels. Das ist der Sky-Krug. Der Himmel-Krug (lacht).

 

Du warst sieben Jahre in Paderborn. Wie groß ist die Umstellung, dann den Club zu wechseln?

 

Ich habe mir die Umstellung schlimmer oder größer vorgestellt. Ich bin sehr nett in Frankfurt aufgenommen worden und es wurde mir von allen Seiten, auch von euch, sehr leicht gemacht, mich auch hier wohl zu fühlen.

Aber es ist schon klar, man hat natürlich Abläufe in Paderborn in den Jahren gelernt, man hat Leute einfach viel intensiver kennen gelernt, dass man auch wusste, wie kann ich mit den umgehen, was kann ich mit denen machen. Das ist natürlich schon etwas, was man hier in Frankfurt nicht so schnell wieder hat, aber ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Wie gesagt, ich versteh mich mit allen gut. Es klappt auch hier sehr locker und sehr gut. Das hätte ich gar nicht so erwartet und bin sehr froh, dass es so auch wirklich funktioniert.

 

Sieben Jahre in ein und demselben Club - das ist etwas, was nicht viele Spieler erleben...

 

Ja, man kann das aus verschiedenen Perspektiven sehen. Auf der einen Seite finde ich das sehr gut, so eine Konstanz zu haben: für den Club und für den Spieler. Ich habe mich immer wohl gefühlt. Es gab eigentlich kaum Fehler, die ich machen könnte, die mir Fans oder Vorstand oder Trainer nicht verziehen hätten. Das war ein sehr beruhigendes Gefühl.

Man kann natürlich auch sagen, das ist ein bisschen mutlos und nicht besonders risikofreudig, aber mit dem Vorwurf konnte ich immer ganz gut umgehen. In den sieben Jahren hat es für mich immer Sinn gemacht, in Paderborn zu bleiben, es war einfach die beste Situation und die beste Möglichkeit.

In diesem Jahr war es halt durch die finanziellen Schwierigkeiten, die wir in Paderborn hatten, nicht einfach. Es hat auch an mir gezerrt, diese Unwissenheit: spielt man noch, kann man die Saison noch zu Ende machen? Ich glaube, es war auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt zu sagen, ich will noch mal was anderes anschauen. Ich will mal was anderes gesehen haben. Wenn ich irgendwann mal auf meine Karriere als Basketballspieler zurück blicke, dass ich dann sagen kann „Hey, alles richtig gemacht und alles ist gut gelaufen“. Die ersten Wochen in Frankfurt bestätigen das eigentlich auch. Wie gesagt, ich fühle mich sehr wohl und ich glaube, das war eine gute Entscheidung. Ich trauere jetzt Paderborn nicht hinterher, obwohl ich natürlich, wie gestern zum Beispiel, gerne meine alten Mitspieler treffe, die alten Physios, da macht man immer noch Witze, das ist natürlich noch drin. Ich bereue es nicht.

 

Hast Du gelesen, was die Paderborner Fans in Foren geschrieben haben, als Du gegangen bist? Du wurdest uns ja schon wärmstens empfohlen...

 

Ja, das ist ja auch nett. Also habe ich ja in den sieben Jahren in Paderborn nicht alles falsch gemacht. :-)

Ich denke, es ist für uns Spieler auch nicht ganz so ohne... diese Foren zu lesen. Es stehen halt auch nicht immer nur gute Sachen drin. Ich gucke ab und zu rein, ich will auch aktuelle Infos haben, ich will auch wissen, was so läuft in der BBL-Familie oder in der BBL-Geschichte. Aber wenn es jetzt so um persönliche Kritik, sowohl positiv als auch negativ geht, naja, da versuch ich dann eher, einen kleinen Bogen drumherum zu machen. Das ist natürlich ganz nett, auch mal gelobt zu werden. Aber dann auch zerrissen zu werden, tut meist doppelt so weh. Dann lieber nicht.

Aber ich bin sehr froh, dass die Paderborner Fans so über mich denken und ich hoffe, ich kann diese Erwartungen in Frankfurt auch erfüllen und kann das hier machen, was ich in Paderborn auch gemacht habe.

 

Hättest Du es Dir vorstellen können, jedes Jahr in einem anderen Club, in einer anderen Stadt, zu spielen?

 

Nee, also ich brauche immer ein bisschen, bis ich so richtig warm werde, bis ich Freunde und das Umfeld kennen lerne, bis ich mich dann auch wohl fühle. Ich finde es auch schon immer echt schwer damit umzugehen, immer neue Mitspieler zu haben, alte Freunde zu "verlieren".

Also... nee... ich kenne das so eben auch nicht. Ich glaube, es gibt Leute, die damit sehr gut umgehen können, für die das dazugehört, für die das ganz normal ist. Für mich gehört es nicht zwingend dazu. Und für mich persönlich ist es auch nicht ganz normal.

 

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