Interview mit Dirk Kaiser
Was glaubst du, wer gewinnt den Pokal?
Angesichts des Teilnehmerfelds verbietet sich in diesem Jahr eine Prognose. Jeder aus dem Quartett hat das Zeug, den Pokal zu gewinnen. Für die Frankfurter Fans wäre es sicherlich schön, wenn ihr Team im Finale stünde.
Was ist mit dem Fanpokal?
Wir haben sehr intensiv darüber diskutiert und sind zu dem Entschluss gekommen, den Fanpokal in diesem Jahr nicht zu vergeben. Obwohl alle Fan-Gruppierungen ob ihrer Leistungen Gewinner sind, fühlen sich drei von ihnen als Verlierer. Trotz objektiver Bewertungskriterien beispielsweise bei den Spielen kam es stets zu einer subjektiven Wahrnehmung bei dem Faktor „Kreativität“. Der eine Fan-Club wirft Spätzle, der andere Fan-Club macht eine Polonaise durch die Halle und der dritte verkleidet sich originell. Was ich damit sagen will: Jeder Fan-Club hat auf seine eigene Weise Kreativität bewiesen. Es gab keine Verlierer, und doch ernteten wir stets Kritik. Auch Du, Anke, hast Dich beschwert und wolltest den Fanpokal in diesem Jahr boykottieren.
Anke:
Zusammen mit den DEUTSCHE BANK SKYLINERS haben wir gesagt, dass wir am Wettkampf um den Fanpokal nicht mehr teilnehmen werden, wenn er zu den gleichen Bedingungen stattfindet wie im letzten Jahr. Wir haben zudem etliche Verbesserungsvorschläge gemacht, die allerdings kein Gehör fanden. Gleichwohl schätzen wir es, wenn ein Team viele Fans mobilisiert und es dafür eine Auszeichnung geben sollte - und zwar unabhängig vom Pokal. Schade finde ich es indes, dass der Pokal trotz aller konstruktiver Kritik nun überhaupt nicht vergeben wird.
Einspruch: Wir haben die Kritik sehr wohl ernst genommen und, wie schon gesagt, intern lange darüber diskutiert. Gerne greifen wir aber Deinen Vorschlag, den Fanpokal beim Beko BBL ALLSTAR Day zu vergeben, auf.
Glaubst du, dass die Kreativität der Fans darunter leidet, dass der Fanpokal wegfällt?
Nein, die Fan-Clubs werden sich bestimmt erneut etwas Originelles einfallen lassen – und die Stimmung wird trotzdem prächtig sein.
Wie beurteilst Du allgemein das Fanwesen im Basketball, auch im Vergleich zu anderen Sportarten?
Unser Fanwesen hat sich sehr gut entwickelt. Die Clubs pflegen einen sehr freundschaftlichen Umgang untereinander – und auch in den Arenen geht es sehr friedfertig zu. Anfeuern ja, anpöbeln nein. So soll es sein.
Noch eine Frage zur Tabelle: Jan Pommer hat uns sehr ausführlich erklärt, dass es trotz aller Kritik und Unsinnigkeit nicht möglich ist, zur alten Tabellenform zurückzukehren. Nun wurde bekannt gegeben, dass genau dies in der nächsten Saison geschehen soll...
Die Öffentlichkeit kann sich wieder auf 2:0 und 0:2 einstellen. Aber wir werden das jetzige Wertungssystem intern weiter führen, um unseren vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem DBB gerecht zu werden. Der wiederum verhält sich vertragstreu gegenüber der FIBA. Das in dieser Saison praktizierte FIBA-System erhalten die Clubs nach dem Ende der Hinrunde, nach dem Ende der Hauptrunde und zum Abschluss des Wettbewerbs.
Was glaubst Du, wie lange dauert es noch, bis Basketball in Deutschland einen mit Handball oder Eishockey vergleichbaren Stellenwert hat und was tut die Beko BBL dafür?
Handball ist uns derzeit sicherlich ein Stück weit voraus, Eishockey liegt nach meiner Einschätzung in der Wahrnehmung hinter uns. Die Handball-Liga hat unzweifelhaft von den Erfolgen des Nationalteams und Mannschaften wie Kiel oder Flensburg profitiert – wenn man bedenkt, dass der deutsche Handball Mitte der 90er Jahre fast in die Drittklassigkeit abgedriftet wäre. Hinzu kommt, dass Handball ein deutscher, ein europäischer Sport mit Tradition ist. Basketball ist im Vergleich dazu international, wird weltweit gespielt.
Die Beko BBL befindet sich auf einem sehr guten Weg. Wir haben mit dem DSF einen engagierten und basketball-affinen Fernsehpartner, der mindestens drei Spielzeiten über 50 Spiele pro Saison im Free-TV ausstrahlt. Dazu mit unserem Hauptsponsor und Namensgeber Beko einen Partner, der von unserem Produkt absolut überzeugt ist und mit dem wir in den kommenden Jahren die Marke „Beko BBL“ weiter ausbauen und positionieren werden. Kaum eine andere Profisport-Liga in Deutschland, keine andere europäische Basketball-Liga ist so ausgeglichen, so spannend wie die deutsche – was sich unter anderem daran festmachen lässt, dass die letzte Titelverteidigung in der Saison 2001/2002 gelang. Dieses Merkmal der Spannung, gepaart mit dichter Atmosphäre und Emotionalität, werden wir künftig noch deutlicher herausstellen. Wir werden einen Markenrelaunch durchführen, dessen sichtbare Auswirkung ein neues Logo sein wird.
Wie häufig kommt es vor, dass andere einen Witz um die Hamburg-Mannheimer machen, wenn sie dich ansprechen?
Es kommt vor, aber es stört nicht. Kaiser ist nun mal mein Nachname (lacht).
Vielen Dank, Dirk Kaiser!
Das Interview führten Anke Stakemann und Stephan Frisch im Februar 2010.
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