Interview mit Jens Staudenmayer
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Wie sehen sie die BBL-Schiedsrichter im europäischen Vergleich?
Wir haben einfach noch zu wenige, es gibt nur zwei, die aktuell in der ULEB pfeifen, das versuchen wir in den nächsten Jahren anzuheben. Unser Ziel ist es, dort so viele Schiedsrichter wie Mannschaften zu haben. Das hilft natürlich auch der Liga und den Schiedsrichtern, die sich durch die internationalen Begegnungen besser entwickeln und Erfahrungen sammeln können. Deutsche Schiedsrichter sind seit jeher nicht sehr wohl gelitten, aber das liegt nicht an deren Qualität, sondern alleine an der Lobbyarbeit.
Ich habe schon einige Pappkameraden erlebt aus Nationen, wo die Liga viel schlechter ist und auch die Schiedsrichter nicht das Niveau hatten, aber die wurden da irgendwie reingequatscht, haben da zwei Jahre gepfiffen, irgendwie überlebt, und hatten dann durch ihre Erfahrung auch ein entsprechendes Niveau erreicht. Die deutschen Schiedsrichter haben natürlich auch den Nachteil, dass sie auf Grund ihrer beruflichen Einbindung unter der Woche zeitlich nicht so zur Verfügung stehen wie andere. In Russland reicht ein Spiel, um ein halbes Jahr eine Wohnung zu finanzieren, da steht man natürlich eher für solche Spiele zur Verfügung.
Was halten sie vom Videobeweis?
Um Gottes Willen! Wir hatten letztes Jahr ein Euroleaguespiel, da wurde eine Dreiviertelstunde diskutiert, bevor es weiter ging! Das kann ganz kurz vor Schluss in knappen Situationen helfen. Aber das ist ein generelles juristisches Problem, weil es nicht von allen Spielen Fernsehbilder gibt. Und die Kameraeinstellung der Videokameras in den Hallen ist oft auch richtig schlecht, so dass man das Entscheidende auch nicht sehen kann. Insofern ist das juristisch und qualitativ nicht möglich.
Mit der richtigen Technik wären zum Beispiel die 24 Sekunden viel leichter regelbar, aber wenn ich die Uhr nicht richtig sehe, nützen auch Videobilder nicht. Davon lebt auch der Sport. Das sage ich nicht, weil im Video-Beweis irgendwelche Fehler der Schiedsrichter nachgewiesen werden könnten. Sport lebt von Emotionen und Tatsachenentscheidungen. Wer will denn 5 Minuten vor Schluss noch lange auf eine Entscheidung warten? Schnelle Entscheidungen akzeptieren auch die Fans. 50% der Fans werden sowieso unglücklich sein, weil ihr Team verloren hat. Aber schlimm wird es immer dann, wenn zu lange gequatscht wird.
Für Schiedsrichter liegt die Altersbegrenzung bei 50 Jahren. Ist das okay?
Die ist gerade wieder im Gespräch, weil einige ULEB-Schiedsrichter vor dem europäischen Gerichtshof klagen. Das ist juristisch allerdings schwierig, weil man nachweisen muss, dass man davon lebt, und das ist in Deutschland eher nicht der Fall. Die Erfahrung zeigt auch, dass man seinen pfeiftechnischen Höhepunkt so zwischen 35 und 45 hat.
Die Frage ist schwierig zu beantworten, es gibt solche und solche. Sicher gibt es auch mit über 50 noch gute Schiedsrichter, doch da herrscht das Problem, dass die den Absprung nicht mehr schaffen, die muss man irgendwann vor sich selbst schützen. Am Alter alleine lässt sich ja keine Qualität festmachen. Solche Grenzen sind immer schwierig und werden immer in der Diskussion stehen. Bisher hatten wir allerdings auch noch keinen Schiedsrichter, der mit über 50 Jahren noch pfeifen wollte und für die Liga einen Mehrwert gebracht hätte. Beim Fußball muss man bereits mit 45 oder 46 aufhören. Und die NBA ist der blühende Beweis dafür, dass es anders geht, aber das will ich nicht vergleichen, die flitzen nicht so durch die Gegend, das ist ja eher Entertainment.
Wenn sie für das Leben eines Schiedsrichters drei Wünsche frei hätten, was würden sie sich wünschen?
Dass die Vereine und die BBL den Weg, den sie jetzt eingeschlagen haben, mit der zunehmenden Professionalisierung konsequent weiter gehen, das kann der Sache nur gut tun. Der nächste Schritt mit mir und der weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen wird schon zu einem Qualitätssprung führen. Und dass die Schiedsrichter mehr Zeit haben zum Pfeifen, so wie ich das bald habe. Ansonsten sind die Rahmenbedingungen schon okay in der BBL. Die Vereine tun eine Menge und sind in der Regel auch fair zu den Schiedsrichtern. Da sehe ich uns insgesamt auf einem guten Weg, das muss eigentlich nur weiterentwickelt werden.
Wie ist Jens Staudenmayer privat?
Hm, was davon überhaupt noch übrig bleibt… (grinst). Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Die spielen noch keinen Basketball, aber den Kleinen kann ich nur schwer zu Hause lassen, der will immer zu den Spielen. Meine Tochter ist verschärfter Bonn-Fan, allerdings nur wegen der Farbe Magenta, so sind kleine Mädchen eben (lacht schallend).
Haben sie Vorbilder?
Ich habe immer versucht, mir von allen das Gute abzugucken. Ich hatte immer ein Bild vor Augen, wie das aussehen sollte, wenn man etwas anzeigt, wie man sich bewegt und auftritt. Aber ich habe nie probiert, jemandem nachzueifern, das ergäbe nur ein billiges Abziehbild, das passt dann nicht zur Person. Man muss seinen eigenen Charakter und Persönlichkeit entwickeln und seine eigene Linie finden.
Werden sie oft interviewt?
Nein, in der alten Funktion nicht wirklich. Das Schiedsrichterthema kocht ja nur ab und zu mal hoch, wenn es eng wird. Vielleicht kann man an der geringen gegebenen Anzahl der Interviews ja erkennen, wie wenig schlecht die Schiedsrichterleistungen sind (grinst). Man wird ja auch in Zukunft selten lesen, dass die drei Unparteiischen geglänzt haben oder zu einem würdevollen Spiel oder Finale beigetragen haben, das wird als normal hingenommen. Nur wenn mal was schief gelaufen ist, gibt es mal einen Absatz darüber.
Möchten sie uns noch etwas sagen?
Ich finde es ganz toll, dass von euch die Arbeit eines Schiedsrichters gewürdigt wird und ihr Interesse daran habt, ein solches Interview zu führen und abzudrucken. Wir sind ja auch interessiert daran, die Arbeit im Schiedsrichterwesen nach außen zu tragen, es ist einfach wichtig, auch so etwas mal zu transportieren.
Vielen Dank, Herr Staudenmayer!
Das Interview führte Anke Stakemann
im November 2008.
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