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Interview mit Gunnar Wöbke

 


 

 

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[Teil 2]
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[Teil 4]
[Teil 5]

 

Am Vor-Oster-Montag nahm sich Gunnar spontan Zeit für unsere Fragen. Dass wir unserem Manager gerne noch dutzende Fragen mehr gestellt hätten, erübrigt sich sicherlich. Aber auch die Fragen, die wir los geworden sind – bevor wir Gunnar nach einer kleinen Ewigkeit in seinen verdienten Feierabend entlassen haben – hat er gerne ausführlich beantwortet. In der Printausgabe des Tip-Off (Ausgabe 6 - Saison 2007/2008) war leider zu wenig Platz, um alle Antworten abzudrucken - hier nun das vollständige Interview:

 

Gunnar Wöbke  (Foto: www.sidjabat.de)

Wie ist die Saison bis jetzt gelaufen? Ist sie, wie du sie dir vorgestellt hast, Gunnar?


Ja, sie ist so gelaufen, wie ich es befürchtet habe. Ich hab ja vor der Saison geschätzt, dass wir irgendwo zwischen 5 und 13 sein könnten, weil die Liga doch sehr ausgeglichen ist, was vorher klar war. Und dass wir uns mit dem Budget, das uns zur Verfügung steht und dem konzeptionellen Ansatz, mit möglichst vielen Deutschen zu spielen, heute zunächst mal im Mittelfeld befinden, in dem jeder jeden schlagen kann. Man will sich ja gar nicht ausmalen, wo man stehen könnte, wenn man drei Spiele nicht verschenkt hätte. Auf der anderen Seite haben wir auch Spiele gewonnen, bei denen niemand auf uns gesetzt hätte, gegen Quakenbrück zum Beispiel, und der Heimsieg gegen Bonn. Umso überraschender war es jetzt wieder, wie hoch wir dort verloren haben. Bonn verliert in Bamberg mit 29, schlägt uns mit 17 und verliert danach mit 21 in Leverkusen. Wie gesagt, jeder kann jeden schlagen!

 

Wer oder was hat dich in dieser Saison überrascht?

 

Von vielen der Spieler, die wir geholt haben und die jetzt die wesentlichen Spielanteile haben, wusste man ja, wie sie spielen. Ich bin froh, dass Pascal wieder eine gute Saison spielt nach zwei Jahren, die nicht so doll waren. Seit ER besser spielt, spielen wir – glaub ich – auch deutlich besser. Leider kann man nicht mehr von Überraschung reden, wie viele Verletzte wir haben. Jimmy hat wieder monatelang gefehlt, richtig traurig ist natürlich – fast schon ein Drama – die Situation von Nino, seit er bei uns ist. Mit welchen Ambitionen er gekommen ist, welche Erwartungen wir an ihn hatten, und wie oft er dann eigentlich nur gesund auf dem Feld stand in den letzten zweieinhalb Jahren. Das ist schon hart und tut uns natürlich auch weh. Er ist ein Spieler, der eine wesentliche Rolle in diesem Team spielen sollte. Das fehlt jetzt ständig. Noch ist nicht aller Tage Abend, vielleicht wird er bald gesund.

 

Warum habt ihr nicht noch jemanden nachverpflichtet? Einen, der diese Lücke schließt?

 

Es gibt viele Gründe, die da eine Rolle spielen. Und ich mach es mir jetzt einfach und sage "Mit Opportunitätskosten schläft man besser als mit Verlusten". Es ist einfach so, dass es finanziell nicht sinnvoll gewesen wäre, auch nur einen einzigen Euro auszugeben. Wir haben ja vorher schon Ken Johnson, der eigentlich über Budget ist, verpflichtet. Jeden Euro, den Du heute ausgibst, kannst Du nächstes Jahr nicht mehr ausgeben. Das ist Fakt.

 

Dazu kommt die Frage: "Was für Spieler sind verfügbar?" und: "Wie wenig Deutsche spielen dann noch, wenn du jetzt noch zusätzliche Ausländer holst?" Deutsche, die du verpflichten kannst, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt so gut wie keine mehr. Wir haben jetzt 6 Ausländer und 8 Deutsche. Viele bemängeln die Entwicklung der Liga seit der Ausländeröffnung. Ich glaube, wir sind der Club, der von Anfang an versucht hat, es anders zu machen. Außerdem glaube ich, dass man so viele Verletzte, wie wir in den letzten Jahren hatten, ohnehin nicht verkraften kann. Das bekommt keiner ohne sportlichen Einbruch hin. Mit zu vielen ausländischen Spielern bist du eher eine Durchgangsstation, es ist schwierig die von allen gewünschte Kontinuität sicher zu stellen, die die Grundlage für Identifikation ist. Das ist bei uns auch so. Unsere Top-Spieler konnten wir nie über die Vertragslaufzeit hinaus halten. Ob das ein Marcus Goree gewesen ist, ein Tyrone Ellis, Chris Williams oder Mario Kasun.

 

Wenn man mit vielen Ausländern spielt, kann das sportlich funktionieren, muss es aber nicht. Es funktioniert jetzt in Leverkusen und in Quakenbrück, ohne dass ich jetzt sagen will, dass die tollen Basketball spielen. Es ist nicht unser Konzept. Wir glauben, dass eine der Hauptfunktionen des Teams ist, Vorbilder zu liefern. Das geht auch mit Ausländern, kein Problem. Sie müssen nur lange genug da bleiben wollen. Das sind alles Überlegungen grundsätzlicher Art, die eine Rolle spielen. Auch wenn der Leistungsdruck groß ist, und andere dir sagen: "Du musst jetzt in die Play-Offs kommen", muss man auch mal sagen, "Ok, da ist keiner dabei, der jetzt wirklich passt, und der nicht den nächsten Spieler vielleicht kalt stellt. Also verpflichten wir nicht nach." Wenn man glaubt, dass es passt, macht es Sinn, eine Investition zu tätigen. Und natürlich waren McElroy und Nadjfeji interessant für uns; sie hätten gepasst – beide, glaube ich. Fakt ist aber, dass es wirtschaftlich einfach nicht möglich war, sie zu verpflichten.

 

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